Contergan - Hintergründe

Es ist schon erschreckend, wie wenig unsere Mitbürger - und vor allem die Contergangeschädigten selber - über den Conterganskandal wissen. Umso schlimmer ist, dass diese Unwissenheit Methode hat. Von Anfang an sollte ein justiziabler Präzedenzfall für die gesamte pharmazeutische und chemische Industrie verhindert werden. Es sollte verhindert werden, was das Selbstverständnis eines jeden Rechtstaates ist und selbst nach jedem normalen Autounfall für jedermann gilt; nämlich, dass der Schädiger sich für den gesamten angerichteten Schaden verantworten und dafür aufkommen muß.

Mit 10 Milliarden DM wurde das Ausmaß unserer ursprünglichen Gesundheitsschäden beziffert. Die heutigen Folgeschäden sind darin noch nicht enthalten. Bei etwa 2.800 Geschädigten wären das unabhängig vom Schadensgrad pro Kopf durchschnittlich ca. 3.571.428,- DM gewesen. Der Geldwertzerfall bis heute ist darin noch nicht berücksichtigt. Aus der Not heraus verzichteten unsere Eltern damals durch einen Vergleich auf dieses Geld und sollten dafür eine direkte Zahlung von einmalig 100 Millionen DM erhalten. Das Contergan-Strafverfahren wurde daraufhin wegen Geringfügigkeit eingestellt. Aber auch dieses Geld ist uns nicht geblieben. Grünenthal klagte es von unseren Anwalt und Treuhänder heraus und brachte es in eine Rentenstiftung ein. Diese Stiftung verhindert heute durch eine Gesetzesbestimmung, dass wir von Grünenthal Schadensersatz für unsere Folgeschäden einklagen können.

Die Folgen kennen wir alle: Unsere nicht dynamisierte Rente reicht noch nicht mal für den Lebensunterhalt; geschweige denn für Pflege, Hilfsmittel, Auto und den behinderungsbedingten Mehraufwand usw. Während Grünenthal im Lichte hoher Gewinnspannen steht, müssen wir uns dies alles bei den Sozialleistungsträgern mühsam erbetteln. Dabei ist stets unsicher und wird in Zukunft immer unsicherer sein, ob wir die jeweils benötigten Leistungen auch erhalten. Und bei den meisten wird sich der Gesundheitszustand Folgeschäden bedingt auch noch verschlechtern. Ohne die Gesetzesbestimmung hätte Grünenthal für alle unsere Bedürfnisse aufkommen müssen, die auf Thalidomidschäden zurück zuführen sind.

Möglich war dies nur, durch ein einzigartiges Zusammenspiel von wirtschaftlicher Macht und politischer Korruption, das bis in die Justiz hinein reichte. Aber vor allem war es möglich, weil es Grünenthal über Jahrzehnte hinweg gelang, den damals schon durch etliche Korruptionsskandale geschüttelten Bundesverband für sich zu intrumentalisieren. Zu Grünenthals Gunsten haben die damaligen Funktionäre uns und unsere Eltern systematisch falsch unterrichtet. Bis zu ihrem Amtsrücktritt diffamierten sie jeden als verbittert und versponnen, der gegen Grünenthal vorgehen wollte. Und die Saat ging auf: Viele Betroffene glaubten ihnen und halten bis heute an ihnen fest. Dies führte zu vielen unnötigen Auseinandersetzungen unter uns. So gelang es Grünenthal einen Keil zwischen uns zu treiben, der bis heute verhindert, dass wir gemeinsam unsere Rechte einfordern.

Auf den folgenden Seiten möchten wir versuchen, dem interessierten Leser unserer Internetpräsentation die wichtigsten Informationen zum Conterganskandal zu vermitteln.



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