Vergleich

Am 10. April 1970 schloßen die Eltern der Betroffenen durch ihren Rechtsanwalt Dr. Dr. Rupert Schreiber mit der Firma Chemie Grünenthal einen Vergleich. Sie verzichteten darin auf Schadensersatzansprüche in Milliardenhöhe gegen einen Entschädigungsbetrag von 100 Millionen DM plus Zinsen, der nach Schadensgrad bemessen an die Betroffenen ausgezahlt werden sollte. Gezahlt werden sollten die 100 Millionen DM in zwei Raten zu je 50 Millionen DM. Die erste Rate wurde sofort und die zweite sollte bis zum 30.6.1973 zuzüglich 6½ Prozent Jahreszinsen ab Abschluß des Vertrages auf ein Treuhandkonto eingezahlt werden.

Das Treuhänderkonto wurde von einem Treuhändergremium verwaltet, das aus den Rechtsanwälten Dr. Dörr, Wartensleben und Schreiber bestand, wobei die Herren Dr. Dörr und Wartensleben die von Grünenthal bestellten Treuhänder waren und Herr Dr. Dr. Schreiber von den Eltern bestellt wurde. Der Rechtsanwalt und Notar Dr. Günter Dörr war Verteidiger des Angeklagten Dr.Dr. Schrader-Beielstein im Alsdorfer Strafprozeß. Der Rechtsanwalt Herbert Wartensleben war damaliger Leiter der Rechtsabteilung der Firma Grünenthal. Rechtsanwalt Dr. Dr. Rupert Schreiber war Privatdozent für Rechtswissenschaft an der Universität Köln und Nebenklagevertreter der Eltern im Strafprozeß. Die Treuhänder konnten nur "einstimmig" beschließen und hatten darüber zu entscheiden, welche Kinder bei der Verteilung der Gelder zu berücksichtigen sind. Ein Gutachtergremium sollte festlegen, "welche Kinder als fehlgebildet i.S. der Präambel anzusehen sind (medizinischer Zulassungsausschuß)".

Mit diesem Vergleich wurden die ursprünglichen Schadensersatzansprüche in Höhe von 10 Milliarden DM auf 100 Millionen DM reduziert. Denn die Eltern mußten auf die Ursprungsansprüche verzichten, um die 100 Millionen DM aus dem Vergleich zu erhalten.

Der Vergleich kam nur zustande, weil die Eltern in einer Notlage standen:

Sie brauchten dringend Geld, um die Versorgung der contergangeschädigten Kinder sicher zu stellen. Die Durchsetzung der regulären Schadensersatzansprüche auf dem Zivilrechtswege hätte bei Ausschöpfung sämtlicher Instanzen etwa 12 Jahre gedauert. Dies war ein zu langer Zeitraum. Denn die Geldmittel wurden sofort benötigt. Zudem hätte jedes Elternpaar für sein contergangeschädigtes Kind über diesen Zeitraum hinweg das gesamte Prozeßrisiko alleine tragen müssen, was bei der ohnehin schon angeschlagenen finanziellen Situation der Eltern unmöglich gewesen wäre.

Randbemerkung

Dennoch läßt die Familie Wirtz auf der Internet-Seite der Firma Grünenthal und in ihren Presseerklärungen immer wieder verlautbaren, die 100 Millionen DM Summe des Vergleichs hätte „über dem Betrag” gelegen, „den neutrale Sachverständige damals als maximal wirtschaftliche Belastung für Grünenthal ansahen”.

Derartige Verlautbarungen sind nichts anderes als subtil gestreute Beschönigungen, mit denen Grünenthal sich vom Täter in das Licht eines Wohltäters rücken möchte, der angeblich bis zum Äußersten gegangen ist, um den angerichteten Schaden wieder gut zu machen.

Die maximalen wirtschaftlichen Belastungen, unter denen die Eltern zum damaligen Zeitpunkt standen, und die wirtschaftlichen Belastungen, welche die Eltern im Rahmen des Vergleichs durch den Verzicht auf die Ursprungsschadensersatzansprüche in Milliardenhöhe auf sich nahmen, werden gemäß der Wirtz´schen Familientradition Verleugnen, Lügen und Schönreden geflissentlich übergangen.

Verschwiegen wird von der Familie Wirtz dabei auch, dass bei einer Durchsetzung der ursprünglichen Schadensersatzansprüche in Höhe von 10 Milliarden DM (5 Milliarden Euro) nicht nur Grünenthal sondern auch das restliche Firmenkonsortium wie die Firma Mäurer & Wirtz und die Dalli-Werke wirtschaftlich hätte einbezogen werden müssen.



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