Pressemitteilungen der ICTA - Internationalen Contergan / Thalidomid Allianz
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Pressemitteilung zur Pressekonferenz am 6.01.2008 (46kB) Contergan-Opfer bilden internationale Allianz
Schadensersatz in Milliardenhöhe
Pressemitteilung
50 Jahre nach Contergan haben sich Opferorganisationen zu einer internationalen Allianz zusammengeschlossen, um Schadensersatz in Milliardenhöhe einzufordern.
Das Bündnis setzt sich derzeit zusammen aus den nationalen Contergan/Thalidomid-Verbänden Kanadas, Großbritanniens, Spanien und Schwedens. In Deutschland haben sich dem Bündnis der bei weitem mitgliederstärkste Landesverband Nordrhein Westfalen und der BCG angeschlossen. Hinzu kommen noch viele bisher nicht organisierte Betroffene und der Ortsverband Köln. „Aus dem Stand haben wir mit 1.600 Mitgliedern fast die Hälfte aller Contergan-Überlebenden hinter uns.“ erläutert der Schwede Björn Håkansson: „Wir führen viele Gespräche und sind zuversichtlich, schon bald für zwei Drittel und mehr zu sprechen“.
Wir planen eine parlamentarische Kampagne und möchten alle Conterganopfer einladen, dabei mitzuhelfen.
Die Allianz bittet alle Conterganopfer in Deutschland sich unter folgender E-Mailadresse zu melden:
thalidomidallianz@googlemail.com
und
bcg-brd-dachverband@gmx.de
Weltweit können sich Conterganopfer an Guy Tweedy in England wenden:
guytweedy@aol.com
Die Allianz fordert von der Firma Grünenthal und der Bundesregierung, dass sie sich mit Vertretern der Allianz zu Gesprächen über eine gerechte Entschädigung an einen Tisch setzt.
Als Schadenersatz möchte die Allianz eine Erhöhung der Rente mindestens in der Höhe von durchschnittlich 2.100,- € monatlich mit einem Spitzensatz von 3.500,- € für Schwerstgeschädigte. Desweiteren fordert die Allianz eine Einmalzahlung von durchschnittlich einer Millionen Euro pro Geschädigtem. Sämtliche Schadensersatzleistungen sollen sich nach dem jeweiligen Schweregrad der Schädigung des Betroffenen bemessen.
Als weiteres fordert die Allianz die Einrichtung eines Gesundheitszentrums für sämtliche Dysmeliegeschädigte in Deutschland.
Die Allianz wird auch von US Verbraucherschützer und mehrmaligem Präsidentschaftskandidaten Ralph Nader unterstützt, der jüngst Grünenthal in einem ersten Brief zu Gesprächen aufforderte. „Es kann nicht angehen, dass im Ursprungsland des Wirkstoffs Thalidomid die Geschädigten am schlechtesten abgefunden wurden.” sagt Udo Herterich, 1. Vorsitzender des Ortsverbandes Köln. „Das müssen wir jetzt ändern“, erläutern die britischen „Thalidomiders“ Guy Tweedy und Nick Dobrik, die schon dem britischen Diageo-Konzern gerechtere Versorgungsleistungen abgerungen haben.
„Der Entschädigungsmodus der Conterganrenten-Stiftung in Deutschland begünstigt im Wesentlichen die Interessen der Firma Grünenthal u.a. mit dem gesetzlichen Ausschluß unseres Rechts die bestehenden Folgeschäden einklagen zu können. Eine Dynamisierung der Renten ist ebenfalls verhindert worden “, so die 2. BCG-Vorsitzende Monika Eisenberg. Die meisten Contergan-Opfer haben heute erhebliche chronische Schmerzen, weil sie unter dem Verschleiß der verbliebenen Gliedmaßen leiden (Folgeschäden). Die schlimmsten Folgen sind: Arbeitsunfähigkeit, Frührente und Pflegebedüftigkeit.
Margit Hudelmaier, die Vorsitzende des Bundesverbandes Contergangeschädigter e.V., traf sich kürzlich ohne vorherige Rücksprache mit ihren Mitgliedsverbänden mit dem Geschäftsführer von Grünenthal. Ein vorheriges Gesprächsangebot des BCG lehnte Frau Hudelmaier ab. „Die Gespräche zwischen Frau Hudelmaier und Herrn Sebastian Wirtz halten wir für einen PR-Trick, um die überall aktiv werdenden Geschädigten ruhig zu halten.“ so Guy Tweedy von den britischen „Thalidomiders“. In einer veröffentlichten PR-Meldung von Grünenthal heißt es, dass man die gemeinsame Geschichte „gegenseitig aufarbeiten“ wolle. Eine Entschädigung hat Sebastian Wirtz jedoch weiterhin abgelehnt. „Ich bin gespannt, wie Frau Hudelmaier das ihren Mitgliedern erklärt“, so Udo Herterich, „Wir als Mitgliedsverband werden auf jeden Fall äußerst kritische Fragen stellen“.
Auch geht es der internationalen Gruppe nicht nur um finanzielle Belange. Eine Aufarbeitung der Contergan-Geschichte hat nie stattgefunden. Zum Beispiel wurde Contergan in den USA nicht zugelassen, auch weil es drei Jahre länger als in Großbritannien dauerte, bis sich ein Lizenznehmer fand. Auch die Rolle des in KZ-Menschenversuche verstrickten Contergan-Erfinders Dr. Heinrich Mückter ist noch nicht geklärt. Grünenthal schweigt sich nahezu darüber aus. „Wir wollen erfahren, was genau geschah. Darauf haben wir und die Öffentlichkeit ein Anrecht“, erklärt Nick Dobrik. „Und deswegen haben wir eine Task Force zur Contergan-Geschichte eingerichtet. Die Ergebnisse unsere Nachforschungen werden wir nach und nach bekannt geben.“
Kontakt:
Udo Herterich
Tel: 02205/83541
Fax: 02205/83541
Andreas Meyer
Tel: 0221/9505100
Fax: 0221/9505101

